Vortrag zu UIA 2002 Berlin, XXI World Congress of Architecture Forum 4, 23. Juli 2002

Dr. Harald Keg­ler

Res­sour­ce Regi­on: REGIONALPARK MITTELDEUTSCHLAND

Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land ist eine Gestal­tungs-Visi­on und eine poli­ti­sche wie kul­tu­rel­le Stra­te­gie zur regio­na­len Ent­wick­lung. Die­ser Ansatz steht für ähn­li­che Ten­den­zen, Her­aus­for­de­run­gen und Hand­lungs­op­tio­nen regio­na­ler Gestal­tung in ande­ren urba­ni­sier­ten oder sub­ur­ba­ni­sier­ten Gebie­ten der indus­tria­li­sier­ten Welt, die sich im rapi­den Wan­del zu einer „post­in­dus­tri­el­len“ befin­det. Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land gewinnt zugleich seit über einem Jahr an prak­ti­sche Kon­tu­ren – er wird auf ver­schie­de­nen Ebe­nen der Regi­on, der poli­ti­schen Gre­mi­en, von Initia­ti­ven, Unter­neh­men und Ver­bän­den dis­ku­tiert, zur Kennt­nis genom­men, mit Eupho­rie oder Skep­sis betrach­tet, ungläu­big beob­ach­tet und gleich­zei­tig mit kon­kre­ten Pla­nun­gen und Vor­ha­ben vor­an­ge­trie­ben. Er ist „im Fluss“. Er ist – so die The­se — kon­kre­ter Aus­druck einer „Res­sour­ce neu­er Art“ für die räum­li­che Gestal­tung.

Die pla­ne­ri­sche Vor­stel­lung vom Regio­nal­park stellt jedoch nicht nur eine wei­te­re Idee zur Gestal­tung einer Stadt-Land­schaft dar. Mit die­sem Ansatz wird an Grund­fes­ten der regio­na­len Pla­nung gerührt. Auf euro­päi­scher Ebe­ne der Raum­ord­nung ist zwar in den letz­ten Jah­ren eini­ges in Bewe­gung gera­ten und mit dem EUREK, dem rah­men für die kon­ti­nen­ta­le Regio­nal­ent­wick­lung, ist ein wich­ti­ger Schritt getan wur­den, doch die räum­li­che Pla­nung hinkt der rasan­ten Ent­wick­lung in der Wirt­schaft im glo­ba­len Kon­text hin­ter­her. Will die Regi­on eine Res­sour­ce sein (oder wer­den), dann bedarf sie einer neu­en Art der kon­zep­tio­nel­len Erschlie­ßung.

1. Das Ende der Raum­ord­nung

Es ist unüber­seh­bar: die Tage der alten, an hier­ar­chi­schen Vor­stel­lun­gen ori­en­tier­ten Pla­nung, wie sie seit über 70 Jah­ren die Pra­xis regio­na­ler und Stadt­pla­nung domi­nie­ren sind gezählt. Ob es in Deutsch­land die Raum­ord­nung ist oder ähn­li­che Vor­stel­lun­gen in ande­ren Staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on, Ost­eu­ro­pas, Fern­ost oder Nord­ame­ri­ka – über­all wer­den auf ganz unter­schied­li­cher recht­li­cher Ver­fas­sung und ver­schie­de­nen Pla­nungs­struk­tu­ren immer noch die ver­brei­te­ten Vor­stel­lun­gen zur Grund­la­ge von räum­li­chen Per­spek­ti­ven gewählt, die davon aus­ge­hen, dass es eine Hier­ar­chie der Sied­lungs­struk­tu­ren gibt. Doch das Gebäu­de wackelt. Seit Chris­to­pher Alex­an­der vor 35 Jah­ren ver­kün­de­te „The City is not a Tree!“ beginnt Zwei­fel an der strin­gen­ten Orga­ni­sa­ti­on des städ­ti­schen Rau­mes vom „Ober­zen­trum“ bis zum „Unter­zen­trum“ Platz zu grei­fen. Mit dem Über­gang von der alles beherr­schen­den Indus­trie und ihren räum­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­mus­tern in den urba­nen und sub­ur­ba­nen Regio­nen zu einer „post­in­dus­tri­el­len“ Ent­wick­lung, in wel­cher nicht mehr die Indus­trie im her­kömm­li­chen Sin­ne Raum­struk­tu­ren vor­gibt, setzt die Suche nach neu­en Pla­nungs­mo­del­len ein. Das ist seit etwa 10 Jah­ren inten­siv der Fall. Das 1999 ver­ab­schie­de­te euro­päi­sche Raum­ent­wick­lungs­kon­zept EUREK hat die­ser Pro­ble­ma­tik bereits in Ansät­zen Rech­nung getra­gen, indem es einen „Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine aus­ge­wo­ge­ne und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ umriss. Zuneh­mend gewin­nen soge­nann­te infor­mel­le Pla­nun­gen an Bedeu­tung. Die Raum­ord­nung erweist sich als zu trä­ge, zu weit von der Wirk­lich­keit einer rasant umbre­chen­den Ent­wick­lung mit Schrump­fun­gen und Expan­sio­nen, mit neu­en Medi­en und sozia­len Ver­schie­bun­gen bis­her unge­kann­ter Dimen­sio­nen ent­fernt. Sie hinkt der Ent­wick­lung gna­den­los hin­ter­her.

2. Vom linea­ren Pla­nen zum Pla­nen in chao­ti­schen Sys­te­men

Die Trans­for­ma­ti­on heißt zunächst: Regio­nal­ent­wick­lungs­pla­nung – eine etwas sanf­te­re Form der immer noch tota­len Pla­nungs­an­spruch ver­fol­gen­den hier­ar­chi­schen Raum­ord­nung. Die­se ist pas­se’! Neue Koope­ra­ti­ons­for­men zwi­schen dem öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tor ver­lan­gen nach neu­en, fle­xi­blen Pla­nungs­mo­del­len. Mehr noch: die post­in­dus­tri­el­le Ent­wick­lung, in der Glo­ba­li­sie­rung und Regio­na­li­sie­rung zusam­men­flie­ßen als zwei Sei­ten ein und der sel­ben Medail­le, stellt den Über­gang des Pla­nungs­den­kens von linea­ren Sys­te­men (zu denen gehö­ren z. B. die bekann­ten hier­ar­chi­schen Pla­nungs­mo­del­le wie die „Satellitenstadt“/“Gartenstadt“, die „zen­tra­len Orte“ oder „Kno­ten-Bän­der-Struk­tu­ren“) zu den nicht­li­nea­ren Model­len dar. Frak­ta­le sei hier das Stich­wort. Nun soll nicht einer mecha­ni­schen Ana­lo­gie zur Frak­tal­theo­rie das Wort gere­det wer­den. Doch liegt hier der Schlüs­sel zu einem neu­en Ver­ständ­nis der Pla­nung von Regio­nen.

Wenn also die Regi­on als Res­sour­ce erschlos­sen wer­den soll und nicht ein­fach nur durch Infra­struk­tur­ent­wick­lung fit gemacht wer­den soll für den inter­na­tio­na­len Kapi­tal­markt, dann müs­sen die Pla­nungs­mo­del­le bis­he­ri­ge Sys­te­me über­win­den, kom­ple­xer wer­den und zugleich hand­lungs­fä­hi­ger. Res­sour­ce Regi­on heißt somit zuerst, das alte Pla­nungs­den­ken radi­kal zu über­win­den. Das schließt eine neue Offen­heit der Pla­nung, eine neue Pla­nungs­de­mo­kra­tie ein. Sie wird letzt­lich der Schlüs­sel zum Erfolg einer zukunfts­fä­hi­gen Regio­nal­ent­wick­lung sein. Doch ist dies nicht ein­fach durch Dekla­ra­ti­on und Beschlüs­se erreich­bar. Prak­ti­sche Ver­su­che sind not­wen­dig. Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land ist ein sol­cher.

3. Selb­st­ähn­lich­keit statt Gleich­ma­che­rei

Natür­lich sind bei­de Begrif­fe nicht als direk­ter Gegen­satz zu ver­wen­den – sie sind auf unter­schied­li­chen Ebe­nen ange­sie­delt, den­noch sind sie hilf­reich für die Erklä­rung der neu­en Pla­nung. Die Frak­tal­theo­rie ist erst 20 Jah­re alt und hat in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit in Geo­gra­fie, Hydro­lo­gie, Meteo­ro­lo­gie oder Ver­kehrs­ana­ly­se erfolg­rei­che Anwen­dungs­fel­der gefun­den — alles chao­ti­sche Sys­te­me. Pla­nung mein­te in der Ver­gan­gen­heit stets, Ord­nung in das Cha­os brin­gen zu müs­sen – schließ­lich auch aus ästhe­ti­schen oder Sicher­heits­grün­den. Das ist weit­ge­hend geschei­tert – doch nur weni­ge haben dies bereits erkannt. Die­ses Ord­nungs­den­ken führ­te zu einer bis­wei­len ent­setz­li­chen Gleich­ma­che­rei in den Städ­ten und Land­schaf­ten. Model­le der pro­spe­rie­ren­den Zonen in den Indus­trie­staa­ten wur­den und wer­den (!) als Ana­lo­gie­fäl­le auf ande­re Regio­nen über­tra­gen. Die Ent­wick­lungs­hil­fe hat dabei in den letz­ten Jah­ren viel gelernt und kor­ri­giert – doch die domi­nan­ten Pro­zes­se des Expor­tes von Pla­nungs­vor­stel­lun­gen folgt noch immer dem Grund­satz, dass ein erfolg­rei­ches Modell export­fä­hig sei. Der deut­sche Eini­gungs­pro­zess der letz­ten 10 Jah­re ist ein bered­ter Aus­druck des­sen und es scheint, als ob die­ser Vor­gang nun in Ost­eu­ro­pa sei­ne Wie­der­ho­lung fin­den wird.

Selb­st­ähn­lich­keit geht von einem grund­le­gend ande­ren Ansatz aus: abge­lei­tet von natür­li­chen Struk­tu­ren, die chao­tisch sind und sich des­halb „in Ord­nung“ befin­den, wer­den im Modell der Selb­st­ähn­lich­keit in ver­schie­de­nen Grö­ßen­maß­stä­ben stets die­sel­ben Grund­struk­tu­ren in der jeweils glei­chen Kom­ple­xi­tät abge­bil­det. Also – kei­ne Abnah­me von Viel­falt, Aus­stat­tung, Ver­net­zungs­grad, son­dern nur ein Dimen­si­ons­un­ter­schied. Letzt­lich glei­chen sich die chao­ti­schen Struk­tu­ren aus, es setzt sich eine Balan­ce durch. Wird sie durch Impul­se gestört, kommt es zum „Aus­schla­gen“. Ist der Mensch der Ver­ur­sa­cher, und das ist die vor­herr­schen­de Ten­denz im der Umwelt, dann ist der Mensch, also auch der Pla­ner gefragt, aus­glei­chend zu wir­ken. Aus­gleich ist also als eine grund­le­gen­de Ziel­an­nah­me für die regio­na­le Pla­nung, doch nicht durch linea­re Ein­fluss­nah­me.

Res­sour­ce Regi­on heißt also Schaf­fen von Aus­gleichs­räu­men für die gleich­be­rech­tig­te, unge­hin­der­te Ent­fal­tung aller Kräf­te. Die­se stel­len eine gänz­lich ande­re Kate­go­rie von Regi­on dar, als sie etwa mit bis­lang übli­chen Grenz­zie­hun­gen ent­lang poli­ti­scher oder land­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten zu tun hät­ten.

Was heißt das nun für die regio­na­le Pla­nung?

Jeder Teil eines Gebie­tes ist gleich­be­rech­tigt, weist ähn­li­che Struk­tu­ren und Pro­ble­me auf, birgt ähn­li­che Poten­zia­le. Damit wird eine Regi­on nicht an eine geo­gra­fi­sche, kul­tu­rel­le, poli­tisch-admi­nis­tra­ti­ve oder wirt­schaft­li­che Gege­ben­heit ange­lehnt und dar­aus eine Ent­wick­lungs­pla­nung abge­lei­tet, son­dern Regio­nen kön­nen – ja müs­sen „kon­stru­iert“ wer­den. Dies lei­tet sich pri­mär aus der Not­wen­dig­keit ab, die bis­he­ri­gen mensch­li­chen Ein­grif­fe in das chao­ti­sche Sys­tem der Natur und Gesell­schaft, die ein Maß erreicht haben, dass exis­ten­zi­el­le Pro­ble­me ent­stan­den sind, kor­ri­giert wer­den müs­sen, wenn wir wei­ter­hin wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung vor­an­trei­ben wol­len. Zum ande­ren ist die wirt­schaft­li­che Ver­net­zung unter Markt­be­din­gun­gen ein kom­ple­xes, ja chao­ti­sche Sys­tem. Dem muss sich räum­li­che Pla­nung anpas­sen und einen Bei­trag zum Aus­gleich lie­fern.

Ers­te Expe­ri­men­te in die­ser Rich­tung lie­fen vor­nehm­lich in den 90er Jah­ren und bestä­tig­ten die­se The­se. Die IBA Emscher Park im Ruhr­ge­biet mit ihrem Cre­do „Pro­jek­te statt Pla­nung“ oder das Indus­tri­el­le Gar­ten­reich in der Regi­on Des­sau-Bit­ter­feld-Wit­ten­berg ste­hen stell­ver­tre­tend für den Para­dig­ma­wech­sel in der räum­li­chen Pla­nung, wie er sich abzeich­net. Die neu­en Stra­te­gi­en der Regio­na­li­sie­rung sind nicht mehr flä­chen­de­ckend, sie über­span­nen admi­nis­tra­ti­ve Gren­zen, sie sind nicht mehr ord­nungs­po­li­tisch son­dern „milieu­bil­dend“, ihr Kern ist Kom­mu­ni­ka­ti­on und nicht mehr Gebot und Ver­bot, sie sind zeit­nah ope­rie­rend und direkt demo­kra­tisch, ihr Ziel ist die „Balan­ced City“. Nicht die Ver­wal­tung der „Zwi­schen­stadt“ son­dern die Gestal­tung des regio­na­len Aus­gleichs steht auf der Tages­ord­nung. Die Regi­on wird für die­sen Zweck „kon­stru­iert“, d.h., sie wird durch den koope­ra­ti­ven Zusam­men­schluss – z. T. auf begrenz­te Zeit und mit wech­seln­den Akteu­ren – und ent­lang gemein­sa­mer Haupt­in­ter­es­sen gebil­det und pla­ne­risch bear­bei­tet. Sie wird also von innern her gebil­det und ent­steht nicht tech­no­kra­tisch. Nach einem Zeit­raum von viel­leicht 10 Jah­ren kön­nen sich die „Gren­zen“ der Regio­nen wan­deln. Das gehört dazu. Genau­so gehört dazu, neue oder modi­fi­zier­te Instru­men­te zu ent­wi­ckeln, die geeig­net sind, den Aus­gleichs­raum zu gestal­ten. Eine enge Ver­flech­tung von ver­schie­de­nen Instru­men­ten der Pla­nung, der Kom­mu­ni­ka­ti­on, der Finanz­steue­rung, der Umwelt­ge­stal­tung und Wirt­schafts­kon­zi­pie­rung ist erfor­der­lich.

Für die räum­li­che Gestal­tung kön­nen ver­schie­de­ne Kon­struk­tio­nen gewählt wer­den – je nach Situa­ti­on vari­ie­rend. Eine die­ser Mög­lich­kei­ten ist der Kor­ri­dor: ein defi­nier­ter Strei­fen, der ver­schie­de­ne Bruch­stü­cke mit­ein­an­der ver­bin­det und als Aus­gleichs­raum defi­niert. Dabei sind mög­lichst gegen­sätz­li­che, auf Aus­gleich drän­gen­de Räu­me mit­ein­an­der in Bezie­hung zu set­zen.

4. Char­ret­te – „Kom­mu­ni­ka­ti­on“ der Frak­ta­le

Char­ret­te ist eine Metho­de der direk­ten Pla­nungs­de­mo­kra­tie. Die­ses Ver­fah­ren, das mit einer Pla­nungs­werk­statt ver­gleich­bar ist, ver­bin­det eine radi­ka­le Öff­nung der Stadt- oder Regio­nal­pla­nung mit kon­kre­ter Ent­schei­dungs­fin­dung, die Offen­heit des Pla­nungs­pro­zes­ses und unge­steu­er­ter Betei­li­gung, die Set­zung von Impul­sen und die Inte­gra­ti­on von Unvor­her­seh­ba­rem mit der poli­ti­schen Ent­schei­dungs­fin­dung. In begrenz­ter Zeit wird durch eine selbst­re­gu­lier­te Grup­pe, unter Anlei­tung von Fach­pla­nern, ein Pro­zess in Gang gesetzt, an des­sen Ende ein Pla­nungs­er­geb­nis vor­liegt, das unter den kon­kre­ten Bedin­gun­gen umset­zungs­fä­hig ist. Die Pla­nung läuft per­ma­nent rück­kop­pelnd ab und bezieht die Steak­hol­der und Betrof­fe­ne unmit­tel­bar ein. Die­ses „Cha­os“, ver­an­stal­tet auf engem Raum und unter Zeit­li­mit hat sich als erfolg­rei­ches Ver­fah­ren beim Umbau für die schrump­fen­de Stadt erwie­sen. Die Char­ret­te bil­det als Ver­fah­ren die Struk­tur der Selb­st­ähn­lich­keit ab. Sie wird zum Schlüs­sel für eine Pla­nungs­kul­tur, die sich dem chao­ti­schen Pro­zess der Rea­li­tät, der Nicht­li­nea­ri­tät der Stadt- und Regio­nal­ent­wick­lung anpasst und zugleich steu­ernd im Sin­ne des Aus­gleichs ein­greift, ohne etwas „ord­nend“ über­zu­stül­pen. Den­noch bleibt die Pla­nung nicht unver­bind­lich. Sie gewinnt nor­ma­ti­ve Kraft durch ihren hohen Betei­li­gungs­grad und die Inte­gra­ti­on der Ent­schei­dungs­trä­ger. Char­ret­te wird als Mög­lich­keit der unmit­tel­ba­ren Pla­nungs­kom­mu­ni­ka­ti­on zuneh­mend der kom­ple­men­tä­re Part zur medi­en­ge­stütz­ten Pla­nungs­kul­tur sein.

Ins­ge­samt befin­det sich die regio­na­le Pla­nung, die dem Modell der Selb­st­ähn­lich­keit ver­pflich­tet ist, noch in der Expe­ri­men­tier­pha­se. Das Bei­spiel illus­triert einen sol­chen Ver­such:

Das Bei­spiel: der Regio­na­park Mit­tel­deutsch­land

5. Die Aus­gangs­la­ge

Der Regio­nal­park liegt ein­ge­bet­tet zwi­schen den bei­den Bal­lungs­ge­bie­ten Leipzig/Halle und Berlin/Potsdam. Die­ser Raum gehört zu den dyna­mi­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­bie­ten im Osten Deutsch­lands seit 1989/90: Aus einem indus­tri­el­len Kern­ge­biet, dem eins­ti­gen mit­tel­deut­schen Indus­trie­ge­biet und „Hin­ter­hof“ Ber­lins, mit Che­mie­in­dus­trie, Maschi­nen­bau und Berg­bau sowie aus­ge­dehn­ten Mili­tär­area­len, vor allem aber hoch­gra­di­ger Umwelt­be­las­tung wur­de zunächst ein öko­no­mi­sches und sozia­les Not­stands­ge­biet. Es ent­stand aber auch ein Raum, in den enor­me Inves­ti­tio­nen für Sanie­rung, Infra­struk­tur, Groß­in­dus­trie, Stadt- und Land­schafts­er­neue­rung flos­sen. Nicht zuletzt sind die Städ­te Leip­zig, Hal­le, Des­sau oder Pots­dam Orte des radi­ka­len Wan­dels, der Gegen­sät­ze und der Bevöl­ke­rungs-Schrump­fung. Es sind aber auch Orte und Gebie­te mit viel­fäl­ti­gen neu­en Pro­jek­ten, die z. T. zur EXPO 2000 einem Welt­pu­bli­kum vor­ge­stellt wur­den.

6. Die Kon­struk­ti­on und ihre Bruch­stü­cke

Die­ser Kor­ri­dor, in wel­chem mind. zwei Mio. Men­schen (ohne Ber­lin) leben, der etwa 150 mal 60 km misst und vier Bun­des­län­der berührt, stellt eine unge­wöhn­li­che Abfol­ge von Stadt-Land­schaf­ten dar:
— Der Süd­raum Leip­zig ist eine der weit­läu­figs­ten und viel­fäl­tigs­ten Braun­koh­le­fol­ge­land­schaf­ten in Deutsch­land. Umfang­rei­che Sanie­rungs- und Umge­stal­tungs­ar­bei­ten sind im Gan­ge. Mit dem Cos­pu­de­ner See ist der ers­te neu gestal­te­te Tage­bau einer tou­ris­ti­schen Nut­zung über­ge­ben wor­den.
— Im Nord­raum von Leip­zig befin­det sich mit der neu­en Mes­se, dem inter­na­tio­na­len Flug­ha­fen und zahl­rei­chen wirt­schaft­li­chen Ansied­lun­gen eines der dyna­mischs­ten Gebie­te, das eine direk­te Anbin­dung an das Leip­zi­ger und Hal­len­ser Zen­trum, aber auch an die über­re­gio­na­len Ver­kehr­stras­sen – Bahn und Auto­bahn – zwi­schen Ber­lin/­Nord- und Ost­eu­ro­pa sowie Süd­deutsch­land und Süd- bzw. West­eu­ro­pa ver­zeich­net.
— Die urba­ne und sub­ur­ba­ne Indus­trie- und Sied­lungs­land­schaft zwi­schen Leip­zig und Hal­le stellt einen Ver­dich­tungs­raum von euro­päi­scher Dimen­si­on dar: das gro­ße und moder­ne Che­mie-Indus­trie­ge­biet Leuna/Merseburg, alte Orts­zen­tren und Kur­stät­ten, Alt­in­dus­trie­area­le, Grün­der­zeit­ge­bie­te, Zwi­schen­kriegs- und Plat­ten­groß­sied­lun­gen – über­all Erneue­rungs­be­rei­che, aber auch Ver­fall, sowie den jüngs­ten Gewer­be-, Shop­ping- und Sied­lungs­brei end­lang der Auto­bah­nen. Es scheint eine „neue Mit­te“ zwi­schen den Groß­städ­ten zu ent­ste­hen – ein fas­zi­nie­ren­der, aber auch amor­pher Ent­wick­lungs­raum um die Zen­tren Leip­zig und Hal­le, die selbst Bestand­teil des Regio­nal­parks sind.
— Die­sem ver­dich­te­ten Raum schließt sich nach Nord­os­ten hin in eines der kul­tur­his­to­risch ein­präg­sams­ten und in den letz­ten Jah­ren expe­ri­men­tier­freu­digs­ten Gebie­te an: Die Indus­trie- und Berg­bau­area­le von Wolfen/Bitterfeld/Delitzsch, das Des­sau-Wör­lit­zer Gar­ten­reich, die Luther­stadt Wit­ten­berg und die Bau­haus­stadt Des­sau, der Natur­park Dübe­ner Hei­de – eine im Zen­trum des Regio­nal­parks gele­ge­ne wert­vol­le Natur- und Kul­tur­land­schaft für hoch­wer­ti­gen Tou­ris­mus und neue Dienst­leis­tun­gen. Den Kern stellt das Städ­te­drei­eck Des­sau — Bit­ter­feld — Wit­ten­berg, das Indus­tri­el­les Gar­ten­reich, dar. Spek­ta­ku­lärs­tes Pro­jekt ist hier­bei „Fer­ro­po­lis – die Stadt aus Eisen“.
— Im Zen­trum des zukünf­ti­gen Regio­nal­parks liegt Fer­ro­po­lis. Die­se inter­na­tio­nal bekann­te Land­mar­ke und Kunst­stät­te sowie die eins­ti­gen Braun­koh­le­gru­ben (von den Gru­ben süd­west­lich von Delitzsch über die Goitz­sche, den Mul­de­see, Grö­bern, Gol­pa-Nord bis Berg­witz) bil­den eine viel­ge­stal­ti­ge neue Was­ser- und Kul­tur­land­schaft. Sie wird ein Zeug­nis krea­ti­ver Sanie­rung von durch den Men­schen geschä­dig­ter Land­schaf­ten sein.
— Die Auen der Elbe und Mul­de sowie Saa­le bil­den eine Ost-West-Zäsur im gesam­ten Raum. Sie sind der sen­si­bels­te Bereich, der al UNESCO Bio­sphä­ren­re­ser­vat aus­ge­wie­sen ist und zugleich einen der öko­lo­gisch und tou­ris­tisch attrak­tivs­ten dar­stellt. Am Süd­ufer der Elbe erstreckt sich das inzwi­schen auf die Welt­erbe­lis­te gesetz­te Des­sau-Wör­lit­zer Gar­ten­reich, die Reform­land­schaft des 18. Jahr­hun­derts. Heu­te ein Mek­ka des Kul­tur­tou­ris­mus. Hier fin­det sich aber auch eine frag­men­tier­te Wirt­schafts- und Wohn­land­schaft mit gro­ßen Gestal­tungs­her­aus­for­de­run­gen. Die Elbe ver­bin­det zugleich den Raum mit ande­ren Regio­nen zwi­schen Ham­burg und Tsche­chi­en – als ein öko­lo­gi­sches Refu­gi­um inter­na­tio­na­ler Bedeu­tung, eine Per­len­ket­te her­aus­ra­gen­der Städ­te und ein mög­li­ches Band zukunfts­fä­hi­ger Wirt­schaft (von umwelt­ver­träg­li­cher Schiff­fahrt über Fische­rei bis zum Tou­ris­mus).
— Am Nord­ufer der Elbe erhebt sich der Flä­ming, ein bewal­de­ter Höhen­zug, dünn besie­delt, vor­ran­gig land­wirt­schaft­lich genutzt und von beson­de­rem Erho­lungs­wert. Hier besteht ein wei­te­rer Natur­park, in wel­chem Land- und Forst­wirt­schaft sowie Indi­vi­du­al­tou­ris­mus mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten aus­ge­wo­gen mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. Beschau­li­che Klein­städ­te prä­gen die Sied­lungs­struk­tur.
— Dar­an schließt sich die wei­te Nie­de­rung des Baru­t­her Urstrom­tals an, eine Ruhe­zo­ne und offe­ne Land­schaft, mit beson­de­ren gesund­heits­tou­ris­ti­schen Akzen­ten. Nord­öst­lich beginnt dann der sub­ur­ba­ne Raum des Ber­li­ner „Speck­gür­tels“, eine amor­phe Land­schaft aus Gewer­be- und Wohn­parks und viel­fäl­ti­gen Infra­struk­tu­ren. Dar­in ein­ge­bet­tet erstreckt sich eines der vie­len mili­tä­ri­schen Kon­ver­si­ons­ge­bie­te. Hier erfolgt die Anbin­dun­gen an das Ein­zugs­ge­biet der Havel.
— Mit der Pots­da­mer Kul­tur­land­schaft, eben­falls auf der Welt­erbe­lis­te der UNESCO, dem attrak­ti­ven Stadt­ge­biet Pots­dams und der Medi­en­stadt Babels­berg fin­det der Regio­nal­park sei­nen nörd­li­chen Abschluss und zugleich Mün­dungs­be­reich in die Metro­po­le Ber­lin.

7. Der Pla­nungs­an­satz

Die Metro­po­len berüh­ren sich …“

Die­se Land­schaf­ten sind nicht schlecht­hin eine Abfol­ge von „Grün­zü­gen“, „Abstands­area­len“ oder urba­nen „Strei­fen“, son­dern stel­len einen wirt­schaft­lich, öko­lo­gisch und kul­tur­his­to­risch dich­ten Kor­ri­dor dar. Die­ser ist dabei auch ein Raum der Wider­sprü­che. Er ver­eint his­to­risch dif­fe­ren­zier­te Kul­tur­land­schaf­ten, die — zum Teil mit welt­höchs­tem Schutz­sta­tus ver­se­hen – eine fast ein­ma­li­ge Abfol­ge mensch­li­cher Land­schafts­über­for­mung reprä­sen­tie­ren. Sie sind in bestimm­ten Berei­chen Expe­ri­men­tal­ge­bie­te für neue Land­schaf­ten und Stadt­tei­le — nach dem Ende des Zeit­al­ters der Res­sour­cen­ver­schwen­dung. Der Regio­nal­park ist zwar mit­tel­fris­tig nicht als ein Raum anzu­se­hen, der durch gro­ßen Bevöl­ke­rungs­zu­wachs, aber durch Dyna­mik in neu­en Zwei­gen geprägt sein dürf­te. Wachs­tum und Schrump­fung wer­den gleich­zei­tig gestal­tet — ein Gleich­ge­wicht ent­steht, die Grund­la­ge einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung.

Balan­ced-City“: die Metro­po­len hal­ten Abstand!

Eine „Balan­ced-City“ kann die Alter­na­ti­ve zur „Zwi­schen­stadt“, der zer­sie­del­ten sub­ur­ba­nen Land­schaft sein. Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land stellt die Hand­lungs­mög­lich­keit der Akteu­re im Raum dar, um Eigen­stän­dig­keit mit „Glo­ba­li­sie­rung“ zu ver­bin­den. Die Land­schaft wird nicht „pass­fä­hig“ gemacht für einen anony­men Markt, son­dern in ihrer kul­tu­rel­len, öko­lo­gi­schen, wirt­schaft­li­chen und sozia­len Eigen­heit gestärkt, wenn die Akteu­re die­se Visi­on auf­grei­fen und selbst gestal­ten. In die­sem Sin­ne ist der Regio­nal­park ein kul­tu­rel­les Pro­gramm. Der Regio­nal­park fun­giert als Rah­men für die Aus­prä­gung einer spe­zi­fi­schen Qua­li­tät der ein­zel­nen Tei­le. Dann kann er zu einer „Res­sour­ce“ wer­den.

Die metro­po­li­ta­nen Räu­me Leipzig/Halle und Berlin/Potsdam wer­den durch den Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land mit­ein­an­der ver­bun­den und zugleich auf Abstand gehal­ten. Eine Ket­te von anthro­po­ge­nen Land­schaf­ten, in denen effek­tiv und mit Respekt vor den über­kom­men natur­na­hen und mensch­li­chen Hin­ter­las­sen­schaf­ten gewirt­schaf­tet und gestal­tet wird, schafft die­sen ver­bin­den­den
Abstand. Das frü­he­re mit­tel­deut­sche Indus­trie­ge­biet erhält durch den Regio­nal­park eine Anbin­dung an Ber­lin und die Haupt­stadt wird mit deren eins­ti­gem „Hin­ter­hof“ in neu­er, aus­ge­wo­ge­ner Wei­se ver­knüpft.

8. Pla­nen heißt vor allem Ler­nen

Der Regio­nal­park ist zudem ein Lern­ort in der Land­schafts- und Stadt­ge­stal­tung: ein Netz­werk der regio­na­len Bil­dungs­ein­rich­tun­gen mit raum­re­le­van­ten Lehr­an­ge­bo­ten und bei­spiel­haf­ten Erneue­rungs­or­te, also auch eine „Insti­tu­ti­on“, die die Ent­wick­lung der ein­zel­nen Städ­te und Land­schaf­ten regio­nal ver­netzt, For­schun­gen und Bil­dungs­an­ge­bo­te regio­nal koor­di­niert und inter­na­tio­na­le Kon­tak­te zu ande­ren Regio­nen ent­fal­tet. Vor allem aber die Durch­füh­rung von ver­schie­de­nen Char­ret­te-Ver­fah­ren trägt zum Ent­ste­hen einer krea­ti­ven Atmo­sphä­re, einem inno­va­ti­ven Milieu bei. Die Regi­on lernt tat­säch­lich, ohne einem didak­ti­schen Plan zu fol­gen. Die prä­de­sti­nier­ten Insti­tu­tio­nen sol­len den Lern­vor­gang beglei­ten, bewer­ten, rück­kop­peln, Grund­la­gen bereit­stel­len und fall­be­zo­ge­ne Anlei­tun­gen geben.

Ein Labor, eine Expe­ri­men­tal­werk­statt für die­se Art regio­na­le Pla­nung, und/oder eine spe­zi­el­le Inno­va­tions-Agen­tur fun­gie­ren als Impuls­ge­ber für das kon­kre­te maß­stab­set­zen­de Vor­ha­ben im bzw. für den Regio­nal­park. Sie sind die Ver­mitt­ler die­ses Lern­vor­gan­ges.

Ein auf den Regio­nal­park bezo­ge­ne Mar­ke­ting­stra­te­gie ver­mag den ein­zel­nen Regio­nen inner­halb des gro­ßen Rah­mens mehr Gewicht zu ver­lei­hen und die poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit auf das Vor­ha­ben zu len­ken. Mit dem Regio­nal­park ver­mag sich der mit­tel­deut­sche Raum ein Gesicht zu geben, das sowohl im „Kon­zert“ der gro­ßen Bal­lungs­räu­me Euro­pas wahr­nehm­bar ist als auch Beson­der­hei­ten her­vor­hebt. Allein die ande­re Art der Pla­nung lie­ße die Regi­on wahr­nehm­ba­rer wer­den. Ver­mark­tung ist Teil des Lern­pro­zes­ses.

9. Der Begriff

Die Bezeich­nung Mit­tel­deutsch­land bezieht sich auf die 20er Jah­re. Sei­ner­zeit wur­de der Mit­tel­deut­sche Indus­trie­be­zirk als Pla­nungs- und Wirt­schafts­raum geprägt. Die­ser erstreck­te sich
zwi­schen den Städ­ten Leip­zig – Erfurt – Mag­de­burg – Wit­ten­berg, mit dem Zen­trum Mer­se­burg. Heu­te gilt die­ser Begriff als umgangs­sprach­lich ein­ge­führt, obwohl es Mit­tel­deutsch­land his­to­risch nicht mehr gibt. Für den Park gilt das Gegen­teil: die­ser ist ein neu­tra­ler Begriff, fast belie­big, oft sinn­ent­stellt. Er sug­ge­riert Schön­heit. Regi­on hin­ge­gen ist ein tech­ni­scher Begriff, der zwar auch einen räum­li­chen Bezugs­rah­men her­stellt, aber weni­ger sinn­lich erscheint und stär­ker die ratio­na­le, wirt­schaft­li­che und infra­struk­tu­rel­le Dimen­si­on des Vor­ha­bens umreißt.

Die Kom­bi­na­ti­on der drei Begrif­fe steckt den Rah­men für die Pla­nungs­tä­tig­keit ab: kon­kre­ter loka­ler und his­to­risch ableit­ba­rer Bezug, Bild für ein aus­ge­wo­ge­ne Zukunfts­ent­wick­lung sowie Umset­zungs­fä­hig­keit.

10. Eini­ge Regio­nal­pro­jek­te im Ver­gleich

Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land ord­net sich ein in einen aktu­el­len Trend zur Regio­na­li­sie­rung wie er seit den 90er Jah­ren natio­nal und inter­na­tio­nal fest­zu­stel­len ist. Mit sol­chen Regio­nal­pro­jek­ten wie der Emscher Land­schafts-Park wur­den neue Dimen­sio­nen der Regio­nal­ent­wick­lung eröff­net.
Ähn­li­che regio­na­le Groß-Pro­jek­te ent­stan­den im Raum Frankfurt/Main oder mit dem Land­schafts­park Boden­see-Ober­schwa­ben. In jüngs­ter Zeit ist mit dem Beginn der IBA Fürst-Pück­ler-Land in der Lau­sitz ein wei­te­res Regio­nal­pro­jekt im Ent­ste­hen, das die Erfah­run­gen von IBA Emscher Park und Indus­tri­el­lem Gar­ten­reich auf­nimmt. Im Aus­land wer­den eben­falls zuneh­mend Regio­nal­par­ke als Kon­zep­te zur inte­grier­ten Ent­wick­lung ver­tre­ten, z. B. im Po-Del­ta, Ita­li­en, im Osten von Lon­don oder mit der „Regio­nal City“ in den USA (.z.B. Portland/Origon).

Der Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land liegt also nicht nur im Trend son­dern fügt durch sei­ne aus­ge­spro­chen „euro­päi­sche Aus­deh­nung“ und sei­nen inhalt­li­chen Ansatz die­sem eine neue inhalt­li­che Facet­te hin­zu: Balan­ced City.

11. Ein Fazit

Der Regio­nal­park kann als Modell für eine neue Art Res­sour­cen­den­ken ver­stan­den wer­den. Es geht nicht mehr nur um die ein­deu­tig defi­nier­ba­ren Res­sour­cen der „ver­füg­ba­ren“ Natur, son­dern um die Art der Gestal­tung und Kul­tur der aus­glei­chen­den Bezie­hung bei der Inan­spruch­nah­me durch den Men­schen. Die Städ­te wie die genutz­ten Land­schaf­ten sind die wich­tigs­te Res­sour­ce für eine men­schen­wür­di­ge Zukunft. Nach­dem die gesam­te Land­schaft vom Men­schen über­formt, aus­ge­beu­tet und neu gestal­tet bzw. „her­ge­rich­tet“ wur­de, müs­sen neue Gestal­tungs­zu­sam­men­hän­ge geschaf­fen wer­den, die zugleich in der Lage sind, einem Drang zur Ega­li­sie­rung und Anpas­sung an ande­re Regio­nen im Sin­ne ein­sei­ti­ger Effi­zi­enz­stei­ge­rung ihrer Nut­zung nicht nur zu wider­ste­hen, son­dern auch etwas qua­li­ta­tiv ande­res ent­ge­gen zu set­zen, das aus dem Bestehen­den erwächst. Für die­se Pla­nung und Ent­wick­lung muss auch eine neue jen­seits der admi­nis­tra­ti­ven Gren­zen und mit Hand­lungs­kom­pe­tenz aus­ge­stat­te­te regio­na­le Poli­tik auf­ge­baut wer­den, die Kirch­turm­den­ken über­win­det und gleich­zei­tig loka­le Selbst­stän­dig­keit bewahrt. Neue Betei­li­gungs­ver­fah­ren (z. B. „Char­ret­te“) sind eben­so not­wen­dig wie ver­än­der­te Koope­ra­ti­ons­be­zie­hun­gen der Akteu­re (Netz­wer­ke). Vor allem aber ist eine auf Hier­ar­chi­en basie­ren­de Raum­ord­nung grund­sätz­li­che zu über­den­ken und durch eine an Model­len der Selb­st­ähn­lich­keit ori­en­tier­te rah­men­set­zen­de Raum­ent­wick­lungs­po­li­tik zu erset­zen.

Lite­ra­tur
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www.industrielles-gartenreich.de
www.regionalpark-mitteldeutschland.net
www.dr-kegler.de

Abbil­dun­gen
1. Sche­ma zu den Ent­wick­lungs­stu­fen von Raum­struk­tu­ren und Pla­nungs­mo­del­len
2. Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land — Struk­tur der Land­schaf­ten
3. Pos­ter zum Regio­nal­park Mit­tel­deutsch­land (engl.)

Anschrift:
Dr. Harald Keg­ler, Labor für Regio­nal­pla­nung, Karl-Lieb­knecht-Platz 21, D-06886 Luther­stadt Wit­ten­berg
T.: +49–340-6612368, F.: …69, E.: harald_kegler@nullyahoo.com

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